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In einem ausführlichen Interview mit dem Nachrichtenmagazin Focus äussert sich der BMW-Entwicklungsvorstand Klaus Fröhlich zu Zukunft und Gegenwart der Elektromobilität in seinem Hause.

In der Tat zählt BMW im Hinblick auf die Elektromobilität zu den Vorreitern unter den deutsche Automobilbauern. Gleichzeitig zeigt sich aber auch, dass noch viele der aktuellen Kernkomponenten zugekauft werden und das Know-How nur teilweise in München beheimatet ist. Insbesondere die so wichtige Technik der Batterien ist laut BMW zwar im Stadium Build-to-Print, also in der Theorie fertig zur Produktion, von so konkreten Maßnahmen wie beispielsweise der Gigafactory Teslas, ist man noch weit entfernt.

Entsprechend beziehen sich die Ankündigungen Fröhlichs in diesem Feld eher auf die Theorie: „Die Batterie macht das Elektroauto teuer – und ich sehe mit zunehmender Nachfrage nicht fallende Rohstoffpreise für die Batteriechemie. Daher ist es wichtig, an der Energiedichte in der Batterie zu arbeiten. Wir bauen hier Kompetenzen intern auf. “ Zwar belegt eine aktuelle Studie von McKinsey dass die Kosten für Akkusysteme seit 2010 um 80% gefallen sind – noch machen diese Komponenten allerdings einen großen Teil der Kosten von Elektromobilen aus. Neben dem Preis, schlagen sich die Batterien vor allem auch im Gewicht der Fahrzeuge nieder: „Eine Batterie, die 700 bis 900 Kilogramm wiegt, in ein Auto zu verbauen, ist alles andere als nachhaltig und nicht unser Weg. Das Kirschkern-Weitspucken um die Reichweite ist ein deutscher Hype. Mit zunehmender Energiedichte der Batterie wird sich das erledigen.“

Das Problem ist erkannt, ich würde mir aber größere, konkretere und visionäre Schritte wünschen um kurzfristig bessere Lösungen in Aussicht zu stellen.

Insbesondre, wenn die gesteckten Ziele so ambitioniert sind: „Elektromobilität ist für uns bereits heute eine Selbstverständlichkeit. Bis Ende 2017 werden wir zehn elektrifizierte Fahrzeuge anbieten. Mehr als jeder andere Hersteller. Und wir wollen bereits 100.000 elektrifizierte Fahrzeuge in 2017 verkaufen.“. Derzeit bezieht sich die Aussage insbesondere auf die Plug-in-Hybrids, die BMW bald in jeder Modellereihe anbieten wird.

Eine der zentralen Fragen für die Markenidentität ist die der individuellen Charakteristik künftiger E-Motoren. Wie kann ein Hersteller wie BMW seinen Claim „Freude am Fahren“ in einer Welt fortführen, in der Elektromotoren kaum Differenzierung bieten?  „Wie wir die E-Mobilität emotionalisieren können, ist für uns ein ganz wesentliches Thema. Da spielt der Motor eine wichtige Rolle. Wir achten darauf, dass die E-Maschine kurzzeitig eine hohe Leistung abgeben kann, um eine dynamische Leistungscharakteristik zu ermöglichen.“ Ganz scheint diese Frage also nicht gelöst zu sein, wenn man zwischen den Zeilen liest. Genau genommen liegt hier eine der größten Aufgaben, nicht nur der deutschen Hersteller. Wenn die Batterien (mangels eigener Fertigung) auf dem Weltmarkt nahezu identisch sind, die Motoren in weiten Teilen vergleichbar sind – wie kann die eigene Identität und der Markenkern vermittelt werden? Design? Software?

Auch in dem Bereich baut BMW Kompetenz auf, aktuell wird laut Fröhlich aber die prozessornahe Software weiterhin vom Prozessor-Hersteller (Intel) kommen. „Ab der Middleware setzen wir auf Eigenleistung, um in Steuergeräten unsere Software-Module verwenden zu können. Das heißt, wir haben auf dieser Ebene immer eine Mischung zwischen Eigenleistung und Zukauf.“

Auch das steht durchaus im Kontrast zu den Maßnahmen die Tesla derzeit unternimmt um auch diese Kernkompetenz noch stärker zu besetzen. Chris Lattner wurde unlängst zum Vice President of Autopilot Software berufen. Zuvor entwickelte er bei Apple die Swift-Development-Umgebung, mit der sich Apps für iOS zügiger umsetzen lassen. Spannender noch ist Lattners Beitrag zu LLVM, einer maschinennahen Programmiersprache. Und ein Indiz dafür, dass Tesla zukünftig auch die Basis der Prozessoren selbst programmieren möchte um zum einen unabhängiger von Unternehmen wie Intel zu werden, zum anderen aber auch, um die Technologieführerschaft weiter auszubauen.

BMW geht sicherlich in eine gute Richtung, größere und mutigere Schritte wären aber wichtig. Und konsequente Investionen um nicht nur mitspielen zu können, sondern um eine echte Vorreiterrolle übernehmen zu können.

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